Jeder achte Deutsche ist schon einmal beim E-Commerce betrogen worden

Die Angst der deutschen Internet-Nutzer vor Online-Kriminalität ist im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen und erreicht etwa wieder das Niveau von 2010. Jeder Dritte befürchtet, beim Online-Einkauf betrogen zu werden. Fast jeder Zweite ist darüber besorgt, dass seine Zugangsdaten ausspioniert werden könnten. Auch Wirtschaftsunternehmen unterlassen aus Angst vor Online-Angriffen bewusst bestimmte Transaktionen im Internet. Zudem ist jede zweite Firma unzureichend auf eventuelle Notfallsituationen vorbereitet.

Das ergaben repräsentative Befragungen des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). So ist in diesem Jahr jeder achte Nutzer (rund 13 Prozent) tatsächlich beim Online-Shopping oder bei Auktionen schon einmal von seinem Geschäftspartner betrogen worden. Die Zahl ist leicht gesunken, denn 2011 waren es noch 14 Prozent, in den Jahren zuvor noch weniger. Vom Geschäftspartner sind betrogen worden:

  • 2012: 13 Prozent
  • 2011: 14 Prozent
  • 2010: 11 Prozent
  • 2009: 9 Prozent.

Die Angst vor einem möglichen Betrug ist allerdings bei mehr doppelt so vielen Verbrauchern vorhanden: 31 Prozent fühlen sich derzeit vom Betrug beim Einkaufen im Internet bedroht, 2011 waren es 34 Prozent und 28 Prozent im Jahr 2010.

Das Ausspionieren von Zugangsdaten ist ein weiteres Problem, das die Menschen beschäftigt. Fast jeder Zweite (45 Prozent) sieht dies aktuell als eine Bedrohung an, etwa so viele wie vor zwei Jahren (46 Prozent). Auch hier liegen die Werte für das Jahr 2011 mit 59 Prozent höher. Dass tatsächlich sich eine andere Person mit den Zugangsdaten in einem Internet-Geschäft oder in ein Auktionshaus eingeloggt hat, berichten sieben Prozent der Befragten. Auch hier liegt das aktuelle Niveau auf dem von vor zwei Jahren, während 13 Prozent der Verbraucher im Jahr 2011 derartiges erlebt hatten. Zugangsdaten schon einmal ausspioniert wurde bei:

  • 2012: 7 Prozent
  • 2011: 13 Prozent
  • 2010: 7 Prozent
  • 2009: 5 Prozent.

Bitkom-Präsident Dieter Kempf warnte vor den Folgen der Spionage von Zugangsdaten: „Wer die digitale Identität eines Nutzers stiehlt, kann in fremden Namen und auf fremde Rechnung online einkaufen und damit einen direkten finanziellen Schaden erzeugen“, sagte er. Außerdem sind den Umfragen zufolge sechs Prozent der Nutzer von sozialen Netzwerken und Online-Foren ebenfalls von Identitätsdiebstahl betroffen.

Insgesamt fühlen sich drei Viertel (75 Prozent) aller Internetnutzer im Web bedroht. Im vergangenen Jahr waren es noch 85 Prozent. Die meisten haben Angst davor, dass Schadprogramme ihren Computer infizieren, jeder Dritte (36 Prozent) hat dies tatsächlich schon erlebt.

Auch viele deutsche Wirtschaftsunternehmen sind bereits Opfer von Internet-Kriminellen gewesen. Vier von zehn deutschen Firmen haben bereits einen konkreten Angriff auf ihre Informationstechnik oder vergleichbare Sicherheitsvorfälle erlebt, stellte der Bitkom in einer weiteren Befragung fest. Daher verzichtet fast jede zweite Firma auf wichtige Internetanwendungen: Sie verschicken keine vertraulichen Unterlagen per E-Mail oder bestellen Material nicht im E-Commerce. Zudem sind viele Firmen auf den Ernstfall eines IT-Angriffs nur schlecht vorbereitet: Jedes zweite Unternehmen hat noch keinen Notfallplan dafür aufgestellt. Bitkom-Präsident Kempf hält diese hohe Zahl für „erschreckend“. „Wenn Sie zuschauen können, wie wichtige Kundendaten abfließen und erst dann in den Gelben Seiten unter ‚IT-Sicherheitsberatung’ nachschlagen, haben Sie verloren“, sagte er Anfang März in Hannover.