Fasel lehrt nicht mehr: Auch Abkehr vom Nutzwertjournalismus?

30698244fdChristoph Fasel, Experte für Nutzwertjournalismus, wendet sich offenbar vom Nutzwertjournalismus ab: Bereits 2011 hat er die Hochschule Calw verlassen, wo er als Professor für Medien- und Kommunikationsmanagement Master-Studenten im Bereich Verbraucherjournalismus unterrichtete. Auch wird die vielfach angekündigte Neuauflage seines Buchs „Nutzwertjournalismus“ nicht mehr erscheinen. Was er mit dem von ihm geleiteten An-Institut für Verbraucherjournalismus plant, ist unbekannt.

Christoph Fasel wurde zuletzt als Autor des momentan auf Platz 1 der Spiegel-Bestseller-Liste (Hardcover Sachbuch) stehenden Buchs „Samuel Koch. Zwei Leben“ über den verunglückten „Wetten dass“-Kandidaten einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Zuvor hat er sich als Experte und Dozent für Verbraucherjournalismus einen Namen gemacht. 2002 wurde er zum Professor an der „SRH Hochschule für Wirtschaft und Medien Calw“ berufen; er gründete 2005 das „Institut für Verbraucherjournalismus“ als An-Institut der Hochschule.

Doch Ende Mai 2011 kündige Fasel laut „Schwarzwälder Boten“ vom 03.06.2011 überraschend an, seinen Vertrag als Professor zu kündigen. Gleichermaßen habe sich der Geschäftsführer der Hochschule, Heiko Schwöbel, abgemeldet. Diplomkaufmann Schwöbel wird in der von Fasel betriebenen Beratungsagentur „fasel! Wir lassen Kommunikation glücken“ mit einer Leitungsfunktion aufgeführt. Sein Amt als kommissarischer Leiter der Hochschule wolle Fasel ebenfalls, und zwar laut Bericht „mit sofortiger Wirkung“, niedergelegen.

„Den Bettel hingeschmissen“

Ein persönlicher Kenner Fasels geht davon aus, dass die Entscheidung in seiner Person begründet liege, er habe schon öfter „den Bettel hingeschmissen“. Fasel hatte 2005 die Leitung der renommierten Henri-Nannen-Journalistenschule (Gruner + Jahr/Die Zeit) nach einigen Monaten wieder abgegeben. Möglicherweise sei Fasel aber auch nur eine Übergangslösung gewesen – die Fachhochschule, die sich einige Zeit zunächst vergeblich um eine Akkreditierung bemüht hatte, habe Fasel als akademischer Leiter durch „schwieriges Fahrwasser“ navigieren müssen.

Im „Schwarzwälder Boten“ heißt es: „Nachdem er gemeinsam mit dem gesamten Team das Ziel (der Akkreditierung, d. Red.) erreicht habe, wolle er sich aus persönlichen Gründen anderen beruflichen Herausforderungen stellen.“ Die genauen Umstände von Fasels Abgangs bleiben jedoch unklar. Der Sprecher und Geschäftsführer der Hochschule, Christian Gerard, bestätigte lediglich per E-Mail: „Herr Fasel ist seit letztem Jahr nicht mehr an der Hochschule Calw angestellt.“ Der Professor selbst hat trotz unserer mehrfachen Anfrage bis jetzt dazu keine Stellung genommen.

Auf der Homepage des von Fasel geleiteten Instituts für Verbraucherjournalismus steht jedoch nach wie vor, er sei seit 2002 Professor für Medien- und Kommunikationsmanagement an der SRH Hochschule für Wirtschaft und Medien Calw.

„Aktuell Prorektor an der SRH Hochschule in Calw“

Den Abgang von der Hochschule hat Fasel auch vielen seiner Geschäftspartner offenbar nicht mitgeteilt: Er wird öffentlich auch weiter als an der Hochschule Calw tätiger Professor geführt. So heißt es im Programm der Jahrestagung Netzwerkes Recherche, wo Fasel als Referent auftritt, er sei „aktuell Prorektor an der SRH Hochschule in Calw“ (Stand 15.05.2012). Ferner wird Fasel vom Lobbyverband „Markenverband“, wo er Jurymitglied für einen Journalistenpreis ist, immer noch als Professor „an der Hochschule“ Calw genannt (Pressemitteilung vom 11.05.2012).

Den reinen Titel eines Professors kann Fasel offenbar auch ohne Anstellung an einer Hochschule führen. Im baden-württembergischen Hochschulrecht findet sich ein Passus, nach dem Professoren „nach ihrem Ausscheiden aus dem Lehrkörper die Bezeichnung »Professor« oder »Professorin« als akademische Würde führen“ können, sofern ihre Dienstzeit als Professor mindestens sechs Jahre betragen hat.

Auf den Master-Studiengang Medien- und Kommunikationsmanagement, bei dem eine Vertiefungsrichtung Verbraucher- und Wirtschaftsjournalismus eingeführt worden war, soll der Weggang von Fasel keinen Einfluss haben, teilte die Hochschule auf Anfrage mit. „Dieser läuft mit derzeit sieben Studierenden weiter“, hieß es.

Welche Pläne Christoph Fasel mit dem von ihm 2005 an der Hochschule angesiedelten Institut für Verbraucherjournalismus hat, ist dagegen unklar. Auf der Website der Hochschule wird das Institut nicht mehr unter den kooperierenden Instituten aufgeführt. Der Hochschulsprecher teilte knapp mit: „Das Institut für Verbraucherjournalismus existiert weiterhin. Die strategische Ausrichtung des Instituts müssten Sie direkt mit Herrn Fasel besprechen.“

Wird Christoph Fasel weiter in Forschung und Lehre des Nutzwertjournalismus aktiv sein? Wir haben ihm folgende Fragen gestellt, die er leider bis jetzt nicht beantwortet hat:

    • Sind Sie weiter im Bereich Nutzwertjournalismus tätig? Wenn ja in welcher Rolle?
    • Ist Ihr Rückzug von der Hochschule (und auch von der Neuveröffentlichung des UVK-Buchs zum Thema) als ein Richtungswechsel weg vom Thema Nutzwertjournalismus zu werten?
    • Was bedeutet dies für die Nachwuchsausbildung im Verbraucherjournalismus?
    • Welche Zukunft und welche Rolle hat das Institut für Verbraucherjournalismus?

a) inhaltlich/in der Forschung; b) formal als An-Institut. Was ist hier geplant?

  • Wie schätzen Sie die aktuelle Bedeutung dieses Journalismus-Typs und der Forschung darüber ein?

Neben seiner Tätigkeiten als ehemaliger Hochschuldozent und Medienberater ist der promovierte Germanist Fasel Mitgesellschafter der Journalistenschule „Klara“ in Berlin. Weiter wird er als Verlagsberater, Blattentwickler und Coach und in dieser Eigenschaft als Mitbegründer der WortFreunde Kommunikation GmbH geführt.

Aktuell ist er Mitglied und stellvertretender Vorsitzender der Verbraucherkommission Baden-Württemberg, die die Landesregierung als unabhängiges Expertengremium in Fragen der Verbraucherpolitik berät.

Christoph Fasel hat im Verlag UVK das Lehrbuch „Nutzwertjournalismus“ veröffentlicht. Das Buch ist erstmals im Jahr 2004 in der Reihe „Praktischer Journalismus“ erschienen. Auf der Internetseite des Verlags steht inzwischen unter Verfügbarkeit: „Erscheint nicht mehr.“ Diese Information hat der Verlag bestätigt. Seit Jahren hatte UVK im Sechs-Monats-Rhythmus eine Neuauflage angekündigt, das Erscheinen dann aber immer wieder verschoben.

Ab 1996 war Fasel Chefredakteur der Monatszeitschrift Reader’s Digest sowie Mitglied der Geschäftsführung des Gesamtverlages, ab 1991 Redakteur und Reporter der Zeitschrift „Stern“ sowie ab 1987 Redakteur der Zeitschrift „Eltern“. Fasel ist Absolvent der Hamburger Henri-Nannen-Journalistenschule (1985). (jok)